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Schlei

Wanderfahrt auf der Schlei vom 18. bis 23. Juni 2005

Diese Fahrt geht auf die Initiative unserer Wanderruderwartin Ursel Ries zurück. Sie hatte anlässlich unserer letzten Ostsee-Tour im Jahre 2003 unserer Ruderfreundin Angelika Feigel, Vorsitzende des Deutschen Rudervereins Hadersleben, gegenüber vorgeschlagen, ob wir nicht eine gemeinsame Tour auf der Schlei durchführen sollten. zurück. Dadurch sollten auch die jahrelangen besten Beziehungen zwischen ihrem und unserem Verein weiter gefestigt werden. Hintergrund ist zusätzlich, dass sich inzwischen ein Generationswechsel ergeben hat, und die Jüngeren, die jetzt in der Verantwortung und aktiv sind, diese Tradition unbedingt weiter pflegen sollten.
Angelika sagte zu, übernahm die Organisation und kümmerte sich um alle Belange, die eine solche Fahrt erfordern. Es sei ihr auch hier dafür nochmals unser aller Dank und Anerkennung ausgesprochen. Wir waren bei ihr immer in den allerbesten Händen und profitierten von ihrem Wissen hinsichtlich der Wasserverhältnisse, Bootskunde und was alles noch zu so einer Fahrt gehört. Was uns im wesentlich blieb, war zu Rudern! Und es sei auch schon vorab bemerkt, dass es keinerlei nennenswerten Ereignisse gab, die als kritisch zu bezeichnen wären. Bei der Perfektion der Durchführung wäre es auch nicht verwunderlich, wenn die allerbesten Wetterbedingungen nicht auch noch auf Angelikas Einfluss zurückzuführen wären.
Unsererseits nahmen Ursel Ries, Theresa Beissel, Bernhard Matzkuhn, Günther Grotewold, Peter Weckop, Peter Jess, Bernd Urlaub und der Chronist teil. Zusammen mit Angelika waren wir also 9 Ruderwillige, was sich arithmetisch zu 3 Zweiern mit Steuerperson aufaddierte. Das brachte den Slesvig Roklub in keinerlei Verlegenheit hinsichtlich der bereitzustellenden Boote: die Halle birst nahezu von herrlichen Innenriggern. Und unsere Gastgeber Birger Kühl tat sich alles andere als schwer, sie uns zur Verfügung zu stellen. Allerdings mit 2 kleineren Einschränkungen: beim Start entschied sich Angelika für den allerneuesten Zweier, was so aber nicht verabredet war! Als wenn er das geahnt hätte, tauchte aber Birger rechtzeitig vor dem Ablegen auf und konnte so noch verhindern, dass dieses einer Besatzung des Klubs bereits zugesagte Boot für einige Tage aus dem Schleswiger Umfeld verschwand. Elastisch im Geist wie Ruderer nun einmal sind, deklarierten wir das zu Wasserlassen und anschließende sofortige Zurücktransportieren als Übungseinheit für diese Prozedur, die anders als bei ‚normalen’ Ruderbooten abläuft, weswegen ein Training auch nicht schaden kann. Die zweite Einschränkung betraf das Mitführen unserer ‚Ehren’: Birger sprach uns leidenschaftlich ein Verbot aus, denn das dafür vorgesehne Loch ist vereinsseitig (möglicherweise auch verbandsseitig?) ausschließlich für dänische Flaggen, Banner, u.s.w. zur Benutzung erlaubt. Wir merkten sofort, dass dieses ihm ein bitterernstes Anliegen ist – und so hielten wir uns daran. Um nicht doch irgendwie – und sei es durch die mitgeführten anregenden höherprozentigen Wässer - schwach zu werden, wurden unsere Vereins- und Deutschlandflaggen umgehend in eines der zurückbleibenden Autos verstaut. Auch das Mitbringen eines Flaggenstangen-Loches würde nicht das Problem lösen, denn es sind die Boote, die nicht entsprechend bestückt werden dürfen.
Nachdem dieser leichte Schock überwunden war, konnten wir uns wieder auf die überaus kompetenten Instruktionen von Birger (er ist auch Abnehmer für das dänische Langtursstyrmands-Zertifikat) konzentrieren. Es war immer auch ein bisschen ‚Prüfung’ dabei – vergessene oder verdrängte Kenntnisse wurden mit strenger Milde so kommentiert, das sie jetzt wohl auf ewig intus sind. Die Bewertung mag unterschiedlich ausfallen unter denen, die schon eine Havarie hinter sich haben und denen, denen das hoffentlich nie passieren wird. Rudern auf Gewässern, für die die Innenrigger konzipiert worden sind, wird immer Rudern der besonderen Art bleiben – mit z.B. unserem Fuldarudern nicht vergleichbar. Aber eben auch wieder ‚einfach’, wenn die Regeln beachtet werden. Alle 3 Boote - Slesvig, Freia und Thor - wurden auch mit einem Anker ausgerüstet, inklusive eines von Birger erfundenen Gelasses dafür. Es gestaltete sich als schwierig, letzteres wie vorgesehen im Boot zu befestigen: jeder Teilnehmer hatte sich das anderes gemerkt, die tatsächliche Anwendung aber war keinem mehr präsent als die Fahrt losgehen sollten. Auch hier half Birger geduldig nach. Mittels der Anker sollten die Boote bei Landgängen – dort wo es möglich war – auf ‚Reede’ liegen bleiben. Wir waren quasi die Versuchskaninchen für seine brandneue Idee. Mit leichten Einschränkungen hat es auch funktioniert, und man kann sicher sein, dass die Kinderkrankheiten inzwischen von Birger behoben worden sind.
Nachdem wir am Anreisetag mit einen Rundgang durch Schleswig und Betreten des Domes den kulturellen Teil der Fahrt schon weitgehend erledigt hatten (es folgte am Rückreisetag noch ein Besuch in Haitabu), starten wir tags darauf vormittags gen Kappeln (35 km) bei allerbesten äußeren Bedingungen. Obwohl es ein Sonntag war, waren die Verkehrsverhältnisse auf dem Wasser sehr moderat. Das alles und das brettebene Wasser erleichterte die Fahrt in der an sich ja harten Bootsgattung 2-er mStm enorm. Langsam entschwand die schöne Kulisse, die allerdings durch eine Hochhaus-Bausünde etwas getrübt wurde. Aber je mehr Abstand man dazu gewann, je weniger fiel das auf. Die Schlei wechselt hier ihren Charakter ständig von seen- zu flussähnlich und ist immer sehr reizvoll. Gegen 18 Uhr mit 2 Pausen erreichten wir unseren Zielort und damit auch unser Standquartier für die nächsten 3 Tage. Das idyllisch gelegene Boosthaus des RK Kappeln wurde uns sehr schnell zur Heimat. Und wie eigentlich immer auf derartigen Reisen, werden die falschen als die Schnarcher b.z.w. Nicht-Schnarcher identifiziert (manchmal geschieht das auch durch Selbstbezichtigung). Das ist wohl ein unabänderliches Naturgesetz. Die Betreuung lag in den Händen der äußerst umsichtigen Hafenmeisterin Inge, einer quicklebendigen fleischgewordenen Freundlichkeit von zierlicher Gestalt – vermutlich in etwa unseren Altersdurchschnitt repräsentierend. Sie ist eine von den Personen, deren Anliegen es auch ist, Wünsche zu erfüllt, von denen man noch gar nicht weiß, dass man sie hat.
Am nächsten Tag waren wir recht früh ‚on tour’: Ziel war Schleimünde (7 km) und Ausfahrt auf der Ostsee in Richtung Norden (weitere 10 km) mit anschließender Rückfahrt, also 34 km total. Dabei machten wir unmittelbar an der Mündung zwei Mal Rast in dem Lokal mit dem einprägsamen Namen ‚Gifthütte’. Das Angebot entsprach aber nicht der Namensgebung, weswegen auch niemand zu Schaden kam. Einprägsam war die ungeheuer an Zahl erscheinenden Masten der Segelboote im Hafen von Maasholm, die sich nahezu parallel gen Himmel streckten wie ein endloses Stangenbohnenfeld sowie die wunderschöne Küstenlandschaft, die nahezu unbesiedelt erscheint und das ohne die sich verlierenden wenigen Touristen vermutlich auch ist. Zur Mittagsrast zweckentfremdeten wir einen am Strand verwaisten Ponton in fast MRV-Vereinsfarben als Tisch- und gleichzeitig Sitzgelegenheit. Auf der Rückfahrt entlang der Küste hatten wir dann erstmals Wind (geschätzt 3,5) und den entsprechen Kampf mit den Elementen. Abknickend in die Schlei zurück, kehrte sich das zum Vorteil, denn hier geriet er zum Schiebewind mit entsprechendem Vorschub und Beendigung der Ruderaktivitäten in Rekordzeit. Zum Abendessen war ‚Grillen’ angesagt mit den dazugehörenden Köstlichkeiten sowie einem zu anerkennenden Äußerungen animierenden Salat.
Nachdem wir schon am Vortag das bierlose Dasein mittels der nächstgelegenen ‚Tanke’ beendeten – und diese dann zukünftig auch als Bäckerei nutzten (Kraftstoffkäufer an so einem Ort sind ja schon längst hoffnungslos in Unterzahl!) – hatten wir alles beisammen, um das für einen Normal-Sterblichen bestenfalls einmal im Leben erlebte Naturereignis ausgiebig genießen zu können: der Aufgang des Riesen-Vollmondes (die Wissenschaft hat wohl immer noch nicht endgültig geklärt, wie es zu dieser Sinnestäuschung kommt!) im Ambiente der Seglerhafen-Atmosphäre am längsten Tag des Jahres. Das waren – wohl nicht nur für den Berichter – unvergessliche Stunden. Unter diesen Umständen mussten wir uns nahezu ins Bett (sprich Schlafsäcke, etc.) zwingen, standen doch tags darauf wieder sportliche Aktivitäten mit entsprechendem Körpereinsatz an.
D.h.: Aufstehen um 7 Uhr, Frühstück um 8 Uhr (im ‚Freiland’) und Ablegen um 9:20 Uhr. Manches beim Rudern muss sich eben auch recht hart erarbeitet werden! Ziel war diesmal die Küste der ‚südlichen Ostsee’. Ergo war ein Teil der Strecke (inklusive der ‚Giftbude’) bereits bekannt, nichtsdestoweniger aber wieder sehr reizvoll. Und wieder stand ein Naturereignis an, denn die in die Ostsee ausströmende hier sehr enge Schlei im Zusammenspiel mit dem eher normalen Ostwind erzeugte für ein kleines Stück recht hohe, aber überaus kurze Wellen. Viel höher hätte es nicht werden dürfen, dann wären auch unsere seetüchtigen Boote dem nicht mehr gewachsen gewesen und die Umkehr wäre unumgänglich geworden. So aber erreichten wir bald völlig glattes Wasser und strebten zunächst Damp-2000 als Ziel an. Das sieht aus der Ferne nicht besonders reizvoll aus, wäre als Ziel aber immerhin ein Ziel gewesen. In Anbetracht der Aussichten auf Windzunahme beendeten wir unsere Unternehmung aber auf halbem Wege zwischen diesem Ferienort und Schönhagen und gingen zur Mittagsrast an Land. Ein Kinderspielplatz mit der Basis-Infrastruktur (Tisch und Bänke) erwies uns gute Dienste. Die Rückfahrt begann noch bei völlig glatter See, kaum in der Schlei angekommen frischte der Wind aber stark auf, und der Rest gestaltete sich als knüppelharter Kampf. So schnell kann es gehen – auch dieses eine Erfahrung, die man sich merken sollte. Die bewältigte Strecke entsprach ziemlich genau der des Vortages. Zum Abendessen gab es frischen Fisch, den Grillmeister Günther Michelin-Gourmet-Führer-Mützen-würdig zubereitete. Danach galt es langsam Abschied zu nehmen von Kappeln, wieder unterstützt mit Tanke-Gut und maßvoll konsumierten qualitativ hochwertigen und –prozentigen anderweitig beschafften geistigen Köstlichkeiten.
Die Rücktour gen Schleswig war dann nicht nur der letzte Rudertag, sondern auch der mit Abstand härteste. Die Vortage waren dagegen Zuckerlecken, denn es waren jetzt 35 km gegen sehr harten Wind bei sengender Hitze zu bestehen. Wir gingen das zunächst noch eher spielerisch an. Unsere drei Damen entschieden sich, eine ‚Frau’schaft zu formen, und es ergab sich anfangs – unabgesprochen - ein regattaähnliches Geplänkel. Dabei schnitten die Drei ohne jeden Zweifel als Sieger in ihrer Geschlechtsklasse ab. Bei den ‚Mann’schaften war es nicht so eindeutig, aber auch auf die Gefahr hin, im Nachhinein erschlagen zu werden, lege ich mich mal auf ein Ergebnis fest: der Junior-Zweier (Gesamtalter knapp unter 200 Jahre) lag knapp vor dem Senior-Zweier (Gesamtalter knapp über 200 Jahre). Nach der Mittagsrast wurden die Teams dann neu gemischt und jedes Boot erkämpfte sich dann für sich den Weg nach Hause. Und die Frage, ob der physisch kürzeste Weg auch zeitlich der kürzeste ist – und welche möglichen Unwägbarkeiten (um das Wort ‚Gefahr’ zu vermeiden) – dabei auftreten können, wurde nicht weiter vertieft. Auch hier lege ich mich für mich fest: die Route muss auch unter dem Gesichtspunkt gewählt werden, was passiert, wenn etwas passiert, nämlich treibt uns der Wind/Sturm dann auf das Land zu oder ab.
Mit geringen Verzögerungen trafen alle Boote unbeschadet gegen 17 Uhr im Heimathafen ein. Nach dem ausgestandenem Kampf und nach wie vor extremer Hitze, war das Saubermachen eine wenig geliebte Tätigkeit, die verständlicherweise auch entsprechend schleppend durchgeführt wurde. Trotzdem ging es dann irgendwie auch in den gemütlichen Teil über. Wohltuend für alle waren die anerkennenden Worte von Birger – natürlich war er wieder zur Stelle! -, der die Gesamtkilometerleistung von 135 anerkennend kommentierte. Aber auch sonst hätten wir mit Sicherheit das Wappen seines Vereins als Aufkleber als Geschenk von ihm erhalten. Für seine großartige Unterstützung in allen Belangen überreichten wir ihm eine kleine Aufmerksamkeit.
Ebenso bedanken wir uns auf diesem Wege auch bei unserer Fahrtenleiterin Ursel, die gewohnt umsichtig und kompetent dazu beigetragen hat, dass auch diese Fahrt als bleibendes positives Erlebnis für alle Teilnehmer im Gedächtnis bleiben wird.

Hajo Heinemann

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