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Auf der ‚Schönen Braunen Fulda’ Richtung Spiekershausen (8. Mai) und ‚Münden – Minden’ (14.-16. Mai 2004)
Im Jahreskalender des MRV war die erste Tour ‚Münden – Minden’ als ‚Sonderfahrt’ deklariert (im Juni fand später noch eine weitere statt). Hintergrund war, dass unsere Ruderfreunde aus Hadersleben vom Nordschleswigschen Ruderverband den Wunsch geäußert hatten, im MRV-Boot eben diese Fahrt durchzuführen. Deswegen hatte Ursel die gute Idee, ihnen hinterher zu fahren, weil wir ‚deren’ Boot ohnehin mit unserem Hänger aus Minden abholen würden. Gedacht, getan!
Zunächst hatten wir am Sonnabend davor (8. Mai) mit den Haderslebenern noch eine gemeinsame Fahrt nachSpiekershausen terminiert. Bei der ging so ziemlich alles schief! Erstens hatten unsere Freunde tags zuvor Probleme mit dem Transport nach Göttingen und waren gar nicht erschienen. Zum zweiten zeigte sich die Fulda wegen der heftigen Regenfälle an den Tagen vorher von ihrer sehr reißerischen Seite. Trotzdem nichts Böses ahnend, fuhren dann Ursel, Ronne, Wulf jun. und sen. sowie Hajo in dem einen Boot und Adolf und Günter im anderen auf der sehr braunen Fulda los. Bei der Strömung war allerdings kaum vorwärts zu kommen! Irgendwann erreichten wir doch Bonafort und gingen durch die Schleuse, verbunden mit der Hoffnung, dass es flussauf besser werden würde. Das war ganz und gar nicht so. Adolf und Günter entschlossen sich, zwischenzeitlich zu treideln. Im vorderen Boot entstand Rätselraten, was denn da wohl los sei. Das Stück bis zu ihnen wieder zurückzuströmen – um sich danach nochmals wieder hoch zu quälen - fand nur mürrische Zustimmung. Auch Handy-Telefonier-Gegner wünschten sich jetzt diese Kommunikation. Tatsächlich schafften wir es danach dann doch gemeinsam irgendwie noch bis Wilhelmshausen. Dort waren schon die Schleusenwärter tätig und sperrten die Schleuse (‚Bonafort’ hatten sie schon gesperrt!). Plötzlich kam uns ein Schwall von Schwemmgut entgegen (recht dicke Baumstämme, Sträucher, Plastik,…), den zumindest Hajo so noch nicht erlebt hatte. Es sah so aus, als könnte man trockenen Fußes über den Fluss gehen. In Sekunden war die Frage geklärt, ob wir abbrechen sollten oder nicht. Wir konnten uns noch sehr schnell vor diesen ‚Müll’ setzen und ihm so entkommen. In Bonafort war die Bootsgasse so gerade noch benutzbar und danach erreichten wir problemlos den heimischen Steg. Die 7 km Fulda-aufwärts aber hatten es in sich! Wir waren uns alle einig, dass wir Spiekershausen an diesem Tag wohl nicht mehr erreicht hätten, oder von dort jedenfalls nicht mehr zurückgekommen wären. Wir genossen zu Hause noch Ursels perfekten Kuchen – an denen ja hin und wieder nur sie selbst grundlos etwas kritisiert!
Im Vorfeld war es nicht so ganz klar war, wann die Minden-Tour denn nun tatsächlich stattfinden würde. Das mag mit ein Grund dafür gewesen sein, dass wir lediglich zu viert waren: Ronne, Ursel, Wulf und Hajo. Wir fuhren die ‚Lahn’ also als gesteuerten Dreier. Jetzt profitierten wir von dem immer noch hohen Wasserstand, denn es ging sehr zügig vorwärts. Die Stimmung im Boot und außerhalb war durchgängig bestens. Unsere Bordverpflegung reichte aus und bewahrte uns deswegen vor zeitraubenden Gaststättenaufenthalten. Die erste Mittagspause in Beverungen reduzierte sich dadurch auf die Hälfte des sonst üblichen Maßes. Das erste Etappenziel ‚Ruderclub Holzminden’ erreichten wir fast in Rekordzeit. Unseren Betreuer, Herrn Lippmann ‚handyten’ wir rechtzeitig herbei und hatten danach noch einen langen Abend. Diesen verbrachten wir überwiegend im nahe gelegenen ‚Schützenhaus’ bei guter Speise und gutem Trank. Nebenbei versuchten wir den Hubschrauber des Jungen vom Wirts-Ehepaar flugfähig zu machen. Allerdings mit minderem Erfolg. Theoretisches Material dazu hat Hajo ihm dann gleich am Montag zugeschickt.
Am nächsten Tag begann es gegen Mittag etwas zu nieseln, aber die schnurstracks angezogenen Regenutensilien vertrieben die Tropfen gleich wieder. Zuvor machten wir eine Kurzrast am Grohnder Fährhaus, allerdings auch hier ohne Einkehr. Beim Hamelner Ruderverein setzten 3 Berliner Boote ein, so dass wir immerhin zu viert in der riesigen leicht bogenförmigen Hamelner 2-Kammer-Schleuse waren und damit diese aufwändige Prozedur wirtschaftlicher gestaltet werden konnte. Bergauf wurden vorher noch zwei Ausflugsboote geschleust: so viel Andrang erlebt der Wärter wohl auch nicht alle Tage.
Sicherheitshalber verlegten wir die Mittagsrast unter die Brücke hinter der Schleuse. Aber der Regen war passé und belästigte uns fürderhin auch nicht mehr. Wir luden unsere Akkus wieder auf aus den von Ursel umsichtig bestückten äußerst praktischen – inzwischen Äquatorpreis-verdächtigen – Wandfarbe-Eimern. Auf den großen Pfeilern war ein Drama kurz und bündig gesprayt, denn dem durchgestrichenen „Tatjana, ich liebe dich.“ folgte auf dem anderen der aktuelle Stand in tunlichst nicht zitierter Kürze. Hier soll das ein Hinweis dafür sein, dass wir Zeit genug fanden, so etwas wahrzunehmen.
Zwischen den Kilometer 171 und 172 gibt es bei der Ausschilderung ein Kuriosum: da man sowohl von der Mündung als auch von Münden die Aufstellung der Schilder durchgeführt hat, hat es leider beim Zusammentreffen nicht ganz gepasst. Allein die Tatsache, dass man das offenbar nicht erwartet hat, finde ich schon kurios! Aber mit dem Pragmatismus, der damals noch möglich war – und heute vermutlich massiv gegen geltendes Recht verstoßen würde – hat man schlicht über 600 m alle 100 m große Buchstaben aufgestellt: A, B, C, usw. Ich hatte den Eindruck, dass ‚D’ fehlt – ich würde vermuten, weil es im Schifffahrtswesen bereits für Düker vergeben ist.
‚Rinteln’ kündigte sich schon lautstark durch Musik an als wir noch deutlich davon entfernt waren. So viel Ehre muss aber nicht sein, dachten wir. Aber es hatte dann doch nichts mit uns zu tun, sondern war schlicht ein großes lärmvolles Fest am Schwimmbad. Fortan aber eskortierten uns zahllose gelbe Entchen vom gleichnamigen Rennen. Einige versprengte davon überholten wir auch noch am nächsten Tag.
Wir erreichten das sehr idyllisch gelegene Bootshaus des Wasser-Sport-Vereins Rinteln am Ende des Doktorsees am späten Nachmittag. Hier war jede Menge Trubel, denn der ungewöhnlich rührige Vorsitzende, Herr Hoppe, machte mit ca. 35 Akteuren anlässlich einer DRV-Wanderfahrt Zwischenstation auf dem Weg von Eschwege nach Minden.
Davon profitierten wir aus vielerlei Hinsicht: die Ökonomen Corry und Leo van t’Hul hatten ein Büffet auf die Beine gestellt, das nicht nur wohlschmeckend, sondern auch sehr reichlich war. Der Getränkeverkauf war fest in den Händen von Leo und war imponierend organisatorisch durchgestylt. Ein Höhepunkt war zweifelsohne der Gesellige Abend, insbesondere durch den mitreißenden Schwung von Herrn Hoppe. Das hätte ohne Abstriche auf N3 original übertragen können! Herr Hoppe glänzte nicht nur durch eigenen Gesang, sich selbst begleitend auf seinem Akkordeon, sondern es gelang ihm auch noch, andere Akteure zu Solisten werden zu lassen. Es war einfach toll!! Wir lagerten im Jugendraum, unbehelligt von den anderen Wanderruderern, die im Hotel untergebracht waren. Auch das Frühstück geriet für alle wieder sehr üppig, so dass es uns ein Leichtes war, die restlichen gut 30 km zu bewältigen.
Natürlich ist es immer wieder ein Erlebnis, die Porta Westfalica aus der Rollsitzperspektive zu erleben. Diesmal war es besonders schön, trübte doch kaum eine Wolke den Himmel. Ganz leichter Frust kam allerdings kurz in mir auf, als ich bei sehr starker Strömung unser Boot – aus meiner Sicht – recht fachgerecht an einen Steg brachte. Es musste nur noch knapp einen Meter stromauf geschoben werden, so dass auch ich aussteigen konnte. Dem Rhein-erfahrenen Wulf nötigte das allerdings einen etwas nörgeligen Kommentar ab, weil ihm das nicht passgenau genug war. Er erklärte uns, wie man das nach dem Prinzip der Gierfähren hinzukommen hat: bei rechtzeitig eingeleitetet Wende, unter Ausnutzung der mit dem Auge abzuschätzenden genauen Strömungsverhältnisse, ist es möglich ohne einen einzigen Schlag das Boot steg-mittig anzulegen. Nun gut, ich werde weiter üben! Kurzzeitig war wohl mein recht passables Klausurergebnis in ‚Strömungsmechanik’ von 1969 posthum gefährdet. Mir fiel dazu die Geschichte von der Hummel ein, die nach theoretischen Überlegungen gar nicht fliegen kann – das zu ihrem großen Glück aber gar nicht weiß.
In Minden hatte sich schon unser ‚Fanclub’, d.h. Ursels Schwester mit ihrer Freundin, eingefunden. Die ‚Elbe II’ fanden wir abtransportbereit vor, und auch die ‚Lahn’ war sehr bald im selben Zustand. Die Hoppe-Truppen fand sich ebenfalls nach und nach ein, weswegen beim Mindener Ruderverein – zusammen mit den örtlichen Ruderwilligen - ein interessantes Gewusel herrschte. Das ebbte nach und nach ab, und wir fingen langsam an, uns um Brigitte und Gerd Sorgen zu machen. Von Gerd sind wir es ja gewohnt, dass er noch pünktlicher als Funk gesteuerte Uhren ist. Die beiden erschienen, als wir auf dem Gelände schon zu vereinsamen drohten: die Straßenführung hatte sich seit seinem letzten Minden-Trip stark verändert, und er war diesmal echt etwas in die Irre geraten.
Der Rest ist schnell erzählt, denn alles Weitere ging auch reibungslos von statten. Wir waren uns alle einig, dass es nicht nur ein ‚SONDERfahrt’ war, sondern auch eine beSONDERs schöne Fahrt. An dieser Stelle ist es angebracht im Namen der Crew sich sowohl bei Ursel für die perfekte Organisation und Brigitte/Gerd für ihre ‚Dienstleistung’ zu bedanken.
Hajo Heinemann
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