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Neuruppin

                                               Rudern auf Fontanes Spuren

 

Der 1. Tag

Am Nachmittag des 1. Oktober 2004 machte sich unsere Fahrtenleiterin Ursel Ries mit 6 Männern

( Hajo Heinemann, Adolf Lungershausen, Tim Schmidt, Bernd Urlaub, Kurt Vollmer und Peter Weckop ) in den PKW’s von Hajo und Kurt auf den Weg nach Neuruppin in Brandenburg. Beim dortigen Ruderclub kamen wir abends im Dunkeln an und wurden vom Vorsitzenden Lothar Vick sehr herzlich empfangen und in unsere Schlafstellen eingewiesen. Im Ruderhaus befindet sich eine Gaststätte, in der wir sehr preiswert und gut zu Abend gegessen und getrunken haben.

Der 2. Tag

Am nächsten Morgen bekamen wir von Lothar den Zweier „Flecken Zechlin“ und den Vierer „Werner Seelenbinder“ zur Verfügung gestellt. Auf die Frage, wer denn Werner Seelenbinder war, mussten wir passen. Wir bekamen Geschichtsunterricht: Werner Seelenbinder war ein deutscher Ringer, der bei der Olympiade 1936 nach dem Gewinn der Bronzemedaille auf dem Siegerpodest den Hitlergruß verweigerte und dafür in’s KZ ging.

Unser Rudergebiet waren die Ruppiner Gewässer, das sind mehrere Seen, die vom Rhin durchflossen werden.Die Gewässer sind für Großschiffahrt nicht geeignet  und auch Sportboote sind uns nur ganz selten einmal begegnet.

Strömung ist nicht vorhanden. Seerosenfelder wachsen oft bis zur Mitte, die Ufer sind von breiten Schilfgürteln gesäumt, und dahinter breitet sich ein dichter urwaldähnlicher Auwald aus. Wir konnten uns gar nicht sattsehen an der Schönheit der Landschaft, und Hajo hat mindestens zwanzigmal am Tag ausgerufen: „Leute, ist das schön hier“. Zu unserer guten Laune trug natürlich auch der Wettergott bei, der uns viel Sonne und wenig Wind bescherte, so dass wir auch die Seen gefahrlos durchrudern konnten.

Am ersten Tag ruderten wir von Neuruppin über den Ruppiner See, denMolchowsee, denTetzensee, den Zermützelsee, den Gudelacksee und den Vielitzsee ca. 40 km nach Lindow. Auf halber Strecke wurde eine Mittagsrast eingelegt. Einige Ruderer haben die Verpflegung aus den berühmten bordeigenen weißen Eimern durch Räucherfisch aus einem nahegelegenen Verkaufsstand ergänzt.

Am späten Nachmittag durften wir unsere Boote für die Nacht auf dem Gelände des Lindower Segelclubs lagern. Anschließend lockerte ein Fußmarsch von 20 Minuten zum Bahnhof den einen oder anderen , durch die Ruderei etwas verkrampften Muskel. Am Bahnhof mussten wir feststellen, dass so schnell kein Zug nach Neuruppin fuhr. Wir konnten aber nach einiger Wartezeit einen Kleinbus als Taxi bekommen, der uns preiswerter als die Bahn zu unserem Quartier fuhr. Weil es schon wieder spät und dunkel war, nahmen wir das Angebot der Vereinsgaststätte zu einem Abendessen und einem Abendtrunk an und verschoben den geplanten Stadtrundgang auf den nächsten Tag.

Der 3. Tag

Nach einem guten Frühstück in der Vereinsgaststätte waren wir mit dem vorbestellten Taxibus recht früh in Lindow angelangt. Es war ein wunderschöner Morgen. Bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns mit unseren beiden Booten auf die Rückreise.Zu Ehren unserer Fahrtenleiterin erhielten eine kleine Bucht und eine kleine Insel im Gudelacksee von uns die Namen „LITTLE – URSEL – BAY“ und „LITTLE – URSEL – ISLAND“ . Den Vielitzsee sparten wir aus, machten dafür aber einen Abstecher in den Möllensee und zur Mittagszeit einen weiteren Abstecher vom Zermützelsee durch das Rottfließ in den Tornowsee. Am Ende dieses Sees liegt das Ausflugslokal Boltenmühle. In der Nähe richteten wir im Wald auf einer von der Sonne beschienenen Lichtung unser Picknick ein. Danach mussten wir uns beeilen, um pünktlich die Schleuse Altruppin zu erreichen. Hier hhätten wir beinahe unseren Ruderkameraden Hajo verloren. Die Schleusenwärterin suchte nämlich eine männliche Begleitung für ihre bevorstehende Urlaubsreise in die Sonne und wandte sich hilfesuchend an unseren Hajo. Da wir nicht auf ihn verzichten konnten, haben wir ihn im Boot festgebunden.Nicht, weil Hajo etwa begeistert auf den Vorschlag eingegangen wäre, sondern weil die Schleusenwärterin ihn sonst aus dem Boot gezogen hätte.

Da wir diesmal recht früh unser Quartier in Neuruppin erreichten , konnten wir uns bei Tageslicht auf einen Stadtrundgang begeben. Die Stadt  Neuruppin ist nicht nur eine besondere städtebaulich-architektonische Leistung der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, sie beherbergte auch große Persönlichkeiten der deutschen Geschichte. Theodor Fontane wurde hier geboren und besuchte das Neuruppiner Gymnasium. Sein Geburtshaus, die heutige Löwen-Apotheke, nahmen wir in Augenschein. Kronprinz Friedrich, der spätere Friedrich der Große, verbrachte in der Stadt seine Jugendjahre. Der heutige Tempelgarten wurde von ihm angelegt.Auch der bedeutende Baumeister Karl Friedrich Schinkel, dessen Denkmal wir besichtigten, verlebte in Neuruppin seine Kindheit. Im Jahre 1787 vernichtete ein verheerender Brand die gesamte Stadt. Mit dem Wiederaufbau unter Bernhard M. Brasch wurde ein Beispiel klassizistischer Städtebaukunst geschaffen . Die Stadt ist weitestgehend erhalten und zum größten Teil restauriert. Sie steht heute unter Denkmalschutz. Imposant anzusehen sind auch die Stadtkirche St. Marien und die riesige Klosterkirche, die 1836-1841 nach Plänen Schinkels erneuert wurde.

Ein gemeinsames Abendessen im Restaurant Klostergarten rundete diesen gelungenen Tag ab.

Der 4. Tag

Am Nachmittag sollte die Heimfahrt angetreten werden. Folglich hatten wir noch Zeit, den südlichen Teil des Ruppiner Sees bis zur Schleuse Altfriesack und zurück (ca. 23 km) zu berudern. Die Sonne schien wieder, der Wind war aber recht frisch geworden. Beim Ablegen vom Steg mit dem Vierer müssen dann Bernd, Kurt, Adolf und Peter das Ablegemanöver mit einem Synchronsprungwettbewerb verwechselt haben. Wie sonst ist es zu erklären, dass sie nach einem vierfachen Seelenbinder, rücklings gegen den Steg gehockt, völlig synchron im See landeten. Der Start verschob sich dann um eine halbe Stunde. Die eigentliche Fahrt verlief danach ohne weitere Komplikationen. Nach dem Reinigen und Verstauen der Boote machten wir noch ein letztes Picknick auf dem Gelände des Ruderclubs und bedankten uns beim Vorsitzenden Lothar und bei der Vereinswirtin Elke für die ausgezeichnete Betreuung.

Besonders herzliche Dankesworte richtete Adolf an Ursel, die diese Fahrt in hervorragender Weise organisiert und geleitet hatte. Gegen 15,00 Uhr traten wir die Heimreise an.Bei Fehrbellin besichtigten wir noch das Denkmal mit der Siegesgöttin Viktoria (die kleine Schwester der Siegesäule in Berlin). Es erinnert an die Schlacht bei Fehrbellin, in der 1675 Kurfürst Friedrich-Wilhelm die schwedischen Truppen vernichtend schlug. Damit begann der Aufstieg des brandenburgisch-preußischen Staates.

Anschließend brachten uns Kurt und Hajo sicher nach Hann.Münden zurück. Auch den beiden Fahrern gilt unser herzlicher Dank.

 

Peter Weckop
Bernd Urlaub                                                      
                                                                             Die Neuruppinfahrer, weitere Bilder siehe
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