|
Vorwanderfahrt auf der Weser vom 9. bis 14. September 2007 zum Wanderrudertreffen in Bremen vom 14. bis 16. September 2007
Da in diesem Jahr das Wanderrudertreffen des deutschen Ruderverbandes vom 14. bis 16, September in Bremen stattfand, bot Ursel Ries eine Vorwanderfahrt vom 9. bis 14. September auf der Weser an. Dies war für mich die Gelegenheit, einmal in meinem "Ruderleben" die Weser bis Bremen zu rüdem. Kurzentschlossen schrieb ich mich in die Teilnehmerliste ein. Auf Flussfahrt gingen mit mir: Rönne und Wulf Richter, Ursel Ries und Kurt Vollmer. Am Sonntag, 9. September 2007, um 7.45 Uhr trafen wir uns am Bootshaus und bestiegen anschließend unser randvoll beladenes Ruderboot "Lahn" zur großen Fahrt auf der Weser bis Verden an der Aller. Wir starteten bei bedecktem Himmel, die Stadtschleuse war schon für uns geöffnet. Ein leichter Regenschauer unterwegs verdarb uns nicht unsere gute Laune. Picknickpause hielten wir am Steg in Wahmbeck. Unser Ziel am ersten Tag war das Bootshaus in Höxter. Dort durften wir einmal noch in einem Bett schlafen. Die nächsten Tage ruhte mein Haupt auf einer Luftmatratze, die abends prall aufblasen war und bis zum nächste Morgen die Luft schon fast von sich gegeben hatte. Das ersparte mir das lange und laute Luftablassen. Dafür sorgte Kurt, er weckte uns jeden Morgen mit diesem Geräusch. Bei "nur" fünf Personen in einem Raum gab es immer irgendwelche Geräusche, vor allen Dingen in der Nacht. Sei es eine Tür, die sich schwer schließen ließ, das Öffnen einer Wasserflasche, das Knistern von Bonbonpapier und das Drehen und Wenden auf der Luftmatratze im Schlafsack, ohne die Atem- und dezenten Schnarchgeräusche zu nennen. Am zweiten Tag wurde es mit einem Picknick in der freien Natur nichts. Wir konnten uns gerade noch vor einem Regenguss, wie aus Eimern, durch fluchtartig schnelles Verlassen unseres Bootes am Steg eines Campingplatzes in der Rühler Schweiz retten. Bei einer Tasse Kaffee und einem warmen Essen im geheizten Restaurant des Campingplatzes beobachteten wir den Regen und sagten nur: "Was hatten wir Glück!" Diesen Rudertag beendeten wir in Hameln im Bootshaus des Rudervereins Weser/Hameln. Nun begann für mich Neuwasser. Weiter war ich mit dem Ruderboot auf der Weser noch nicht gekommen. Am dritten Tag, nach etwa zwei Kilometern, mussten wir in Hameln wieder einmal schleusen. Wie klein waren wir in der großen Schleusenkammer von 223 x 11 m, zum Vergleich HMÜ 60 x 8,6 m. Die Regenzeit war zu Ende. Zur Mittagspause fanden wir bei Eisbergen einen Picknickplatz mit Steg zum Anlegen. Ursel baute uns auf einem Tisch ihr allbewahrtes Büffet auf: verschiedene Brotsorten, Butter, Marmelade, Käse, verschiedene Wurstsorten, Gurke, Tomate, Paprika, Senf u. v. a. m.. Zum Trinken war im Angebot: heiße Brühe, Cappuccino, Schokolade, Tee. Zur Krönung hatte Rönne ihre "Arzeneiflasche" mit. Es gab eine "Feige" aus kleinen Zinnbechern. Das bekam uns gut. Heute ruderten wir bei km 171,0 bis 172,0 den längsten Weserkilometer. Beim Vermessen der Strecke hatte man von Hann. Münden und Bremen aus gleichzeitig die Arbeiten begonnen. Als man hier mit den Kilometertafeln zusammentraf, war zwischen den beiden zuletzt gesetzten Tafeln 1,6 km Unterschied statt l km. Man markierte je 100 km mit Buchstabentafeln von A bis F. Viele Innen- und Außenkurven ruderten wir u. a. vorbei am Kaiser-Wilhelm-I-Denkmal bei Porta Westfalica. Dieses Denkmal konnten wir von allen Seiten bewundern, es ließ uns nicht los. Dieser Tag endete in Minden beim RV. Dort trafen wir auch Hajo Heinemann. Er hatte sich einem anderen Verein angeschlossen, da er nicht am Wanderrudertreffen in Bremen teilnehmen wollte, Im Bootshaus des Mindener RV wurde uns vom Wirt ein kaltes Büffet, dazu Bratwurst und Steak vom Grill, angeboten. Den gedeckten Tisch genossen wir. Am vierten Tag bewunderte ich zu Beginn unserer Rudertagestour das Bauwerk des Mittellandkanals, die alte und neue Kanalbrücke. Mir gefiel das alte Bauwerk optisch besser. Die Weser wurde nun breiter und die Sicht weiter. Es begann die Norddeutsche Tiefebene. Vor Stolzenau fuhren wir zum Picknick in einen Baggersee, ein Insider-Tipp von Wulf, und gingen dort an Land. Drei Staustufen waren heute zu überwinden. Bei Petershagen und Landesbergen wurde nach Wulfs bewährten Art, die Leine an zwei Stellen, im Bug und Heck des Bootes, befestigt und so getreidelt. Das klappte wunderbar. Am Ende des 4.Tages erreichten wir das Nienburger Bootshaus. Dort wurden wir per Handschlag und mit Kaffee und Plätzchen empfangen. Zu Abend speisten wir in der Innenstadt von Nienburg, in der einladenden Fußgängerzone. Hier war gerade eine Fernsehaufzeichnung, der Wettkampfzweier Städte. Wer presst in einer bestimmten Zeit aus Äpfeln den meisten Saft? Donnerstag, der fünfte und letzte Tag der Vorwanderfahrt, schenkte uns Sonnenschein. Die Weser war jetzt noch breiter geworden und es begegneten uns viele Lastkähne. Achtung beim Steuern! Unser letzter Picknickplatz war auf einem alten Bundeswehrgelände bei Barme. Auch ohne Steg gingen wir hier mit eisernem Willen an Land. Die letzte Etappe vor unserem Ziel, Verden an der Aller, kam nun. Ich "musste" meine restlichen Steuerkilometer auf der Weser und dann die Aller 6 km flussaufwärts, bei leichtem Hochwasser, mit Innen- und Außenkurven mehr oder weniger gut meistern. Auf der Aller war es eine Herausforderung gegen den Wind und den höheren Wasserstand zu steuern. Ich sah Angelruten, die sich als hereinragende Weidezäune entpuppten. Mein Muskel der linke Pobacke bekam durch das anstrengende Steuern einen Krampft Der Steuersitz der "Lahn" war für mich immer eine Kampfansage. Die Querleisten des Sitzes vertieften sich in die Sitzfläche und "erfreuten" so jeden, der steuern "durfte" oder auch "musste". Am Ziel, dem Steg vom Verdener Ruderverein, waren wir alle froh, aus dem Boot an Land steigen zu können. Meine "Freudentränen" wurden dezent übersehen, bzw. ich wurde liebevoll getröstet. Frisch geduscht gingen wir ein letztes Mal gemeinsam, dieses Mal durch Verden, zu einem gemütlichen Abendessen. Am Freitag Vormittag nutzten wir den Sonnenschein aus und ruderten noch 10 km die Aller flussaufwärts und zurück zum Bootshaus in Verden. Anschließend gab es ein letztes gemeinsames Picknick; wir warteten auf ein Abholfahrzeug, das uns zum Wanderrudertreffen nach Bremen bringen sollte. Es waren fünf schöne Tage, trotz Luftmatratze, diese muss nur die richtige Breite haben. Die Bootsmannschaft war auf der Tour ein gut eingespieltes Team. Die Landschaft der kurvenreichen Weser ist ein sehr schönes und abwechslungsreiches Ruderwandergebiet, u. a. der Wald bis dicht ans Ufer, die Felspartien bei Karlshafen (Hannoversche Klippen), die Felsen bei Dölme und die Felswand des Breitensteins vor Rühle (Hannoversche Loreley). Unzählige Fähren mussten wir beachten und sieben Staustufen überwinden. Vorwiegend schleusten wir, zweimal benutzten wir die Treidelgassen. Wir, Rönne, Wulf, Kurt und Lieselotte, danken Ursel für die Ausarbeitung dieser Wanderfahrt. Liebe Ursel, wir wünschen uns viele weitere Wanderfahrten mit Dir; behalte die Kraft und Energie dazu, und die manchmal erforderliche Geduld mit uns.
LiLi (Lieselotte Lindemann)
|