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Wanderfahrt auf der Werra; 28. und 29. April 2007
Zur ersten mehrtägigen Fahrt des Jahres starteten 11 Aktive des MRV: Ulrike Ottweiler, Ursel Ries, Theresa Beissel, Ronne Richter, Andrea Wüstenhagen, Lieselotte Lindemann, Wulf Richter, Wilfried Kraft, Peter Weckop, Tim Schmidt, Hajo Heinemann – also diverse Vorstands- und Vereinsausschuss-Mitglieder! - zusammen mit 2 Gästen des Ludwigshafener Rudervereins in 3 Booten, wobei die Generation „60 plus“ die Mehrheit bildete. Diese Tour findet in regelmäßigem jährlichem Wechsel mit der Beruderung der Fulda statt. Fiel diese im letzten Jahr wegen Hochwassers mit der entsprechend starken Strömung aus Sicherheitsgründen buchstäblich ins Wasser, so drohte diesmal der Ausfall aus gegenteiligen Gründen. Der Wasserstand war für die Jahreszeit ungewöhnlich niedrig. Trotzdem konnte die Fahrt auch mit den beiden Vierern ‚Lahn’ und ‚Donau’, die wegen ihrer Länge bei kurzwelligen Untiefen leichter zu Schaden kommen können als der Zweier Oder, auch diesmal unmittelbar hinter der historischen Brücke in Creuzburg/Thüringen begonnen werden. Gleich zu Beginn ist eine Stromschnelle zu bewältigen, von denen es wegen der Wasserverhältnisse dieses Mal ungewöhnlich viele gab. Phantasiebegabte mögen sich teilweise auf dem Colorado gewähnt habe. Auffällig allerdings war auch der enorme Algenbewuchs. Dieses schlingernde, zwar imposante aber auch irritierende, helle Grün begleitete die Mannschaften bis weit in den unteren Lauf des Flusses. Insgesamt wurden 109 Kilometer zurückgelegt. Dabei mussten 5 Wehre und 3 Schleusen überwunden werden. Dieses ist bei 3 Booten nicht nur ein zeitaufwendiges Unterfangen, sondern erfordert die hohe Konzentration und teilweise auch Kraftanstrengung aller Besatzungen. Bei der ungewöhnlichen Hitze machte sich das an den Nachmittagen durchaus auch etwas bemerkbar. Bei besten Wetterbedingungen und -aussichten trafen wir uns um 7 Uhr am Bootshaus, wo die 3 Boote schon auf dem Hänger lagen und von wo die Anreise nach Creuzburg losging. Jörg Ottweiler und Günther Grotewold besorgten den Transport von Hänger und Mannschaft, wobei letzterer penibel darauf bedacht war, den engen Kontakt zu den Hecks nicht abreißen zu lassen. Ein großes Dankeschön beiden auch noch einmal an dieser Stelle! Die Fahrt durch die blühenden Landschaften Südniedersachsens, Hessen und Thüringens war ein Vorgeschmack auf das Naturerlebnis für die kommenden 2 Tage. Bestenfalls konnte man beklagen, dass in diesem Jahr es so erschien, dass nahezu alles auf einmal aus der Winterruhe erwacht war. Aufriggern, Einsetzen und Starten gelang so routiniert wie immer und die Boote blieben im Wesentlichen während der gesamten Fahrt in Sichtweite untereinander. Das erste Wehr in Mihla liegt 10 km von der Einsatzstelle entfernt. Nicht nur wegen des geringen Wasserstandes ist hier - wie bei den weiteren ‚Hindernissen’ auch - offenkundig, dass die Infrastrukturen von recht unbedarften Laien konzipiert worden sind. Jedenfalls sind sie nicht auf die Belange von Ruderbooten ausgelegt und erschweren unnötig den Akteuren die Arbeit und sind für unseren Sport teilweise komplizierter als notwendig. Mir erscheint es als unwahrscheinlich, dass unsere Verbände in diese Maßnahmen mit eingebunden werden. Kanuten überwinden offenbar nahezu jedes Hindernis problemlos. An dieser Stelle fuhren einige schlicht auf das trocken gefallene Wehr zu, hoben ihr Boot hinüber, setzten es ins wenige Meter entfernte Unterwasser wieder ein und fuhren weiter. Wir aber stärkten uns erst einmal aus den eigenen Beständen nach der umständlichen Übersetz-Prozedur. Die nächste Umsetzung erfolgte unter sehr ähnlichen Bedingungen in Falken. Langsam machte sich auch die Hitze bemerkbar und bei manchen zeichnete das über die Haut ausgeschiedene Salz abstrakte Figuren auf die blauen MRV-Hemden. Ein 3-Sterne-Kiosk in Treffurt (sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis!) wurde um diverse Getränke - aber auch ‚Hardware’ - erleichtert. Um 15.30 Uhr ging es weiter, der eben geschilderten Umsetzung am Wehr in Wanfried entgegen. Die danach noch anstehenden wenigen Kilometer bis zum Eschweger Ruderverein waren wohl bei allen schon durch die Vorfreude auf den geselligen Abend in der Innenstadt geprägt. Den beiden Empfangsdamen in der Jugendherberge gelang es nach einigem Hin und Her uns sehr komfortabel unterzubringen. Gegen 20 Uhr bereicherten wir dann die schöne Altstadt. Für den Wirt hatte der Ausgleich des tagsüber erlittenen Flüssigkeitsverlustes einen Konjunktur fördernden Effekt. Peter garnierte das Mal auf seine unnachahmliche Weise aus seinem unerschöpflichen Witze-Repertoire und das, obwohl fast alle diese schon etliche Male gehört haben. Schon ein Stichwort reicht aus, um die Erfahrenen schon mal zum Lachen in Vorleistung gehen zu lassen. Andrea – als erstmalig Wanderfahrende – hätte ihm sofort einen lebenslangen Vertrag angeboten, wenn sie denn über ein Kultur-Budget verfügen würde! An der verspäteten Einnahme des Frühstücks waren wir unschuldig, es war aber der Beginn einer Kette von Verzögerungen am 2. Tag. Peters sehr löbliche Idee, sich - voraus gehend - als Schleusenwärter zu betätigen, damit die Boote unmittelbar einfahren konnten, erwies sich als leicht kontraproduktiv. Kommunikation mit dem Handy funktioniert auch heutzutage immer noch nur dann, wenn man vorher die Nummern ausgetauscht hat. So geriet er in ein ‚Funkloch’ aus dem er sich dadurch selbst befreite, als dass er sich als Sozius auf einem Motorrad fortbewegen ließ. Er unter einem Riesen-Helm (der immer noch für ihn 4 Nummern zu klein war) wäre DAS Bild der Fahrt geworden, wenn wir denn schnell genug entsprechend hätten schalten können.
So zogen wir dann schon mit erklecklicher Verspätung am Morgen weiter. Die schmucken hessischen Dörfer stehen den thüringischen in Nichts nach, wie insgesamt das Landschaftsbild sich in schönster Pracht präsentierte. Vielfach konnten wir auch die Jumbos unter unseren Wasservögeln, die Schwäne, im Tiefflug beobachten, wie auch diverse andere kleinere ‚Flieger’. Nicht zu überhören war auch vielfach das Quarken der Frösche, wenn hinter der Böschung stille Gewässer vorhanden waren. Gegen Mittag passierten wir das ‚Neuschwanstein der Werra’, das Schloss Rothestein, vor Bad Sooden-Allendorf. Es ist wegen des großen Bogens des Flusses lange vor- und hinterher in Sicht. Danach erforderte die Einfahrt in die Schleuse alle Konzentration der Besatzungen. Eine viel kompliziertere Anordnung von Schleuse, Wehr und Turbinenzulauf kann man sich kaum ausdenken. Es ist immer wieder ein Abenteuer, auf das man auch gerne verzichten möchte. Natürlich ging auch diesmal alles glatt, so dass wir unter den Augen eines im blütenweißen Hemd mit mehrfach beringten Epauletten da stehenden ‚Schleusen-Admirals’ die Schleusung durchführten. Beim Öffnen der Tore zeichnete sich diesmal Wilfried aus unter Mitwirkung einer zivilen Camperin. Ungeklärt blieb, wer hier Häuptling und wer Indianer war. Wieder begann die Hitze zu wirken und alle waren dann froh, als Werleshausen als Ort des Picknicks erreicht war. Hier gibt es keinen Steg, nur recht steiles unwegiges Ufer. Trotzdem gelangten wir alle wohlbehalten am Pavillon an. In Windeseile zauberten unsere Damen ein ‚Tischlein-Deck-Dich’ aus den tour-erfahrenen Maler-Eimern, das besonders unseren beiden Gästen höchstlöbliche Kommentare entlockte (jedenfalls habe ich auch Wilhelms Äußerungen so ausgelegt). Beim Ludwighafener RV haben wir wohl jetzt die Picknick-Standards nach oben getrieben; nur so lassen sich die Bemerkungen interpretieren. Inzwischen gesellten sich auch vermehrt diverse andere Wasserwanderer, aber auch aufpustbare Gummibötchen-Besatzungen, als Begleiter zu uns. Letztere wurden z.T. als Bierkästen-Transporter genutzt, wobei ich mal unterstelle, dass sich der Respekt vor strömendem Wasser bei vermehrtem Genuss des Inhaltes danach umgekehrt proportional zur gebotenen Aufmerksamkeit verhält. Aber lustig anzusehen ist es für Insassen und Zuschauer allemal. Bleibt zu hoffen, dass sie sich nicht zu nahe dem Umflutungsgraben (Lake) in Hedemünden – DER Stromschnelle schlechthin in unserer Gegend – genähert haben. Wir jedenfalls kamen gefahrlos hindurch, waren aber schon geprägt von der fortgeschrittene Zeit und der Wahrscheinlichkeit, in HannMünden nicht mehr Hochgeschleust werden zu können. So setzten wir am ‚Letzten Heller’ mit Überschallgeschwindigkeit um, trennten uns von unseren Gästen, die von Rita Kraft freundlicherweise am Werra-Wehr ins Auto verfrachtet wurden und dann noch rechtzeitig zum Bahnhof transportiert wurden und schickten den Zweier (jetzt als o. Stm.) vorweg, um den Schleusenwärter zum Verweilen zu bewegen. Das gelang zum Glück, wohl auch weil Peter als sehr beliebter ehemaliger Leiter immer noch hohes Ansehen im Wasser- und Schiffartsamt genießt. Die letzte Luft wurde dann für das tiefe Durchatmen verbraucht, da uns ein weiterer Umsetzt-Akt mit inzwischen dezimierten Kräften erspart blieb. Ein ‚Hoch’ dem Überminuten schiebenden Schleusenwärter auch noch von dieser Stelle. Der Rest ist schnell berichtet, wenngleich diesmal die Boote deutlich mehr eingesaut waren durch das verblüffend unrein wirkende bräunliche Wassers der Werra (auch im Gegensatz zur ‚sauberen’ hellen Fulda) und das Reinigen sich als aufwendig gestaltetet. ‚Schäden’ gab es bis auf einen geplatzten Klemmring und einen überstrapazierten Rollsitz nicht zu beklagen. Den Abschluss bildete danach für einige noch das Plündern der Maler-Eimer im Rahmen eines gemütlichen Abendessen-Ausklangs. Mit dieser Fahrt hat der MRV auch einen soliden Grundstock für den Wettbewerb ‚Kaiser-Wilhelm-Pokal’ gelegt, der auf eine sehr lange Tradition zurück blicken kann (sic!) und vom Nordwestdeutschen Regatta-Verband ausgelobt wird. Hier schlagen nicht nur die geruderten Kilometer zu Buche, sondern für die Überwindung von Hindernissen gibt es noch zusätzliche Punkte. Härtester Konkurrent der letzten Jahre ist der Wasser-Sport-Verein Rinteln, und es wäre an der Zeit, diese Trophäe wieder einmal an das Fuldaufer zu holen. Gelegenheit, den Punktezustand kontinuierlich zu erhöhen gibt es noch zur Genüge, denn zusätzlich zu den Fahrten auf der heimischen Fulda sind auch diverse Touren auf deutschen und auch internationalen Gewässern im diesjährigen Terminplan enthalten. Für die Mehrzahl der Teilnehmer war die ‚Werra’ auch Vorbereitung auf den Wesermarathon am 6. Mai, wo es gilt 80 bzw. 135 Kilometer an einem Stück zu rudern – für jeden Einzelnen DIE Herausforderung der besonderen Art.
Hajo Heinemann
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